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Drohnenflüge planen: die Regie

Die Bedingungen waren perfekt: Ein warmer Sommertag, kaum Wolken, wenig Wind. Die Aufgabe: so dicht wie möglich an die Frontscheibe eines Autos heranfliegen und sich dann schnell über einen Golflplatz entfernen. Im Prinzip ganz einfach, aber... 

... ganz so einfach war es dann doch nicht. Denn: in Nähe des Bodens oder eines großen Objekts fliegt die Drohne (Gewicht: knapp 10 kg) in ihren eigenen Turbulenzen quasi auf einem Luftkissen - in der Fliegerei nennt man das Bodeneffekt. Ergebnis: der Flug ist schwer zu stabilisieren. Und da wir den Flug auf 300% beschleunigen und zudem rückwärts laufen lassen wollten, waren schon kleine Abweichungen von der Flugbahn deutlich sichtbar. 

Problem Nummer zwei: Thermik und Verwirbelungen an Gebäuden. Immer wieder gab es starke Böen. 

Erst ab ca. 30m Höhe war die Flugbahn so stabil, dass man den Schuss ohne nachträgliche Stabilisierung verwenden konnte. Da zahlt sich der Dreh in 4K aus. 

Drittes Problem: Eine großräumige Absperrung war nicht möglich. Wegen des Zeitraffer-Effektes durften aber keine Menschen oder Fahrzeuge im Bild sein. So hing die Drohne oft wartend in der Luft und verbrauchte wertvolle Akkulaufzeit. Ein Nervenkrieg am Funkgerät... 

Nach gut einer Stunde hatten wir die Szene dann im Kasten. Worauf man achten sollte:

1. Nichts ersetzt perfekte Vorbereitung: Location, Flugbahn, Absperrung, Technik - alles sollte en detail festgelegt und mit dem Drohnenteam abgesprochen werden.

2. Je größer (und schwerer) die Drohne, desto stabiler fliegt sie einerseits, andererseits erfordert das höheren Vorbereitungsaufwand und noch präziseres Arbeiten, weil die Akkulaufzeiten begrenzt sind.  

3. Für saubere Kommunikation sorgen. Die Drohne macht Lärm. Benutzt Funkgeräte mit Headsets. 

4. Lieber mehrere Varianten einer Szene drehen, als sich an einer Einstellung festbeißen. Oft genügen kleine Korrekturen der Flugbahn oder ein Standortwechsel, um bessere Flüge hinzubekommen

5. Spart nicht am Team. Auch wenn es Drohnen heute in jedem Elektrohandel gibt - es ist buchstäblich ein himmelweiter Unterschied zwischen Profis und Beinahe-Experten. 

Und: es ist hilfreich, wenn man sich in der Fliegerei und mit Wetter auskennt. Als langjähriger Privatpilot und Operator für Helikopterkameras bringe ich zum Glück die Kenntnisse mit, um die Zusammenhänge zu verstehen: zum Beispiel, was Thermik bewirkt, wo es Böen geben kann und welche Luftrechtlichen Einschränkungen es bei bestimmten Locations geben kann. Damit Ihr Drohnenflug nicht zum wirtschaftlichen Desaster wird... 

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